03.04.2025

"KI sollte als interaktive Unterstützung fungieren"

Praxiswissen

Karlsruhe/Berlin, April 2025 - Die TeleTax GmbH ist seit 2001 der Online-Fortbildungsanbieter der deutschen Steuerberaterverbände. Sonja Bruns ist seine Geschäftsführerin. TeleTax ist stolz darauf, Schulungen zu den wichtigsten Themen, auf dem neuesten Stand und in geprüfter TOP-Qualität anzubieten. KI-Assistenz spielt dabei eine zunehmend größere Rolle. Sonja Bruns teilt ihre Erfahrungen am Dienstag, den 6. Mai um 10.45 Uhr im Rahmen des LEARNTEC Kongresses.


Welche Rolle spielt eine KI-Assistenz in Ihrer speziellen Ziel- bzw. Berufsgruppe?

Sonja Bruns: Für viele in unserer Zielgruppe ist KI noch ein relativ neues Thema. Aber wir merken, dass sich der Berufsalltag verändert – KI-Assistenten werden immer öfter ausprobiert und teilweise schon eingesetzt, vor allem in Bereichen wie Digitalisierung und Automatisierung. Das betrifft zum Beispiel die Aufbereitung von Informationen oder das automatische Zuordnen von Daten.

Gerade im Steuerbereich bringt KI spannende Möglichkeiten für die Fortbildung: Sie wird effizienter, individueller und praxisnäher. Steuerexperten können mit intelligenten Tools ihre Weiterbildung optimieren und sich schneller an neue gesetzliche Vorgaben anpassen.

Der Einsatz von KI in der Fortbildung ist wirklich ein großer Fortschritt. Bisher waren Online-Fortbildungen zwar schon sehr flexibel, aber oft nicht speziell auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer zugeschnitten. KI kann hier viel mehr leisten: Sie analysiert das Lernverhalten, gibt gezielte Empfehlungen und passt die Inhalte an den Zeitplan an. Dazu kommen automatisierte Erfolgskontrollen und adaptive Lernsysteme, die komplexes Wissen noch besser vermitteln.

Unterm Strich bedeutet das: Die Fortbildung wird nicht nur effektiver, sondern auch attraktiver und marktgerechter.


Welchen Anforderungen muss die KI-Assistenz gerecht werden?

Sonja Bruns: Eine KI-Assistenz muss vielseitige Bereiche umfassen, um effektiv zu sein: Eine intuitive Einbindung der KI-Assistenz in den Lernprozess ist essenziell, damit Lernende problemlos mit ihr interagieren können. Die KI sollte als interaktive Unterstützung fungieren – sei es durch die sofortige Beantwortung von Fragen, das Bereitstellen passender Beispiele oder durch Quizzes und Übungen, die den Lernfortschritt fördern.

Ideal wäre es, wenn die KI-Assistenz personalisierte Vorlagen erstellt, die sich sowohl an das Vorwissen als auch an die individuellen Präferenzen der Lernenden anpassen. Dadurch kann der Schwierigkeitsgrad flexibel gestaltet werden. Zudem sollten die Empfehlungen der KI nicht nur auf den Leistungsstand abgestimmt sein, sondern auch den persönlichen Lernprozess nachvollziehbar unterstützen. Das Ziel ist es, das Lernen effizienter und motivierender zu gestalten – zum Beispiel durch spielerische Elemente und individuelles Feedback.

Gleichzeitig ist es entscheidend, dass Lernende stets die Möglichkeit haben, Vorschläge der KI zu ignorieren und eigene Entscheidungen zu treffen. Dies trägt zur Transparenz der KI bei und stärkt das Vertrauen in ihre Empfehlungen. Barrierefreie und sprachliche Unterstützung sind ebenfalls wünschenswert, um den Zugang für alle so einfach und intuitiv wie möglich zu gestalten.

Zusätzlich sollte eine vergleichende Auswertung aller Teilnehmenden möglich sein, um Skalierbarkeit zu gewährleisten. Und nicht zuletzt spielt die Vertrauenswürdigkeit der KI eine zentrale Rolle – insbesondere im Umgang mit persönlichen Lerndaten.


Wäre individualisiertes Lernen in Ihrem Bereich auch ohne KI-Einsatz denkbar?

Sonja Bruns: Natürlich ist individualisiertes Lernen auch ohne den Einsatz von KI möglich – schließlich haben wir bis vor kurzer Zeit ausschließlich ohne KI gearbeitet. Allerdings bringen traditionelle Lernmethoden einige Herausforderungen mit sich: Methoden wie der Einsatz persönlicher Tutoren, selbstgestalteter Unterrichtsmaterialien oder projektbasierte Lernprozesse, aber auch lehrkraftbasierte Diagnosen sind oft zeitaufwendig und kostenintensiv.

Ohne KI fehlt zudem die Möglichkeit, den Lernprozess in Echtzeit an die individuellen Bedürfnisse der Lernenden anzupassen. Das kann die Effektivität und Effizienz des Lernens einschränken. KI hingegen kann dabei helfen, schneller und gezielter auf die spezifischen Anforderungen jedes Einzelnen einzugehen. KI-basierte Lernsysteme nutzen datengetriebene Einblicke, um den Lernfortschritt dynamisch zu unterstützen und individuell anzupassen, indem sie Stärken und Schwächen der Lernenden berücksichtigen.


Welche Auswirkungen hat KI speziell für Ihr Unternehmen TeleTax?

Sonja Bruns: Unsere KI-gestützte Lösung ermöglicht es uns, ein Angebot zu schaffen, das unsere Marktbegleiter derzeit nicht anbieten können. Das verschafft uns die Chance, uns als innovativen Anbieter in einem eher konservativen Umfeld zu positionieren – einem Umfeld, das jedoch vor einem erheblichen Wandel steht.

KI wird zunehmend Routineaufgaben in der Steuerbranche übernehmen, wodurch sich Fortbildungen stärker auf strategische, rechtliche und technologische Aspekte konzentrieren müssen. Digitale Kompetenzen und der Umgang mit KI-gestützten Tools werden für steuer- und steuernahe Berufe unverzichtbar.

Für uns bedeutet das vor allem, bewährte Angebote zu analysieren und neu zu strukturieren. KI eröffnet nicht nur neue Lernmethoden, sondern auch neue Lernfelder. Themen wie „Digitalisierung“, „Künstliche Intelligenz“ und „Neue Tätigkeitsfelder in der Steuerbranche“ rücken in den Fokus. Eine Herausforderung bleibt jedoch die Akzeptanz solcher Neuerungen – sie entsteht durch Vertrauen, und dieses muss erarbeitet werden.

Darüber hinaus setzen wir KI gezielt zur Automatisierung unserer internen Prozesse ein. So kann TeleTax eine größere Zielgruppe noch besser erreichen, flexibel auf Marktbedürfnisse reagieren und Fortbildungen gleichzeitig unterhaltsamer gestalten.


Was erwarten Sie hier in naher Zukunft an Weiterentwicklung?

Sonja Bruns: In naher Zukunft erwarten wir, dass Künstliche Intelligenz verstärkt bei der Digitalisierung von Lerninhalten eingesetzt wird. Allerdings stehen wir derzeit vor der Herausforderung, dass viele Inhalte noch nicht vollständig digital vorliegen.

Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass sich die Personalisierung von Lerninhalten weiter verbessern wird. KI kann individuelle Lernbedürfnisse präziser erkennen, Lernstile berücksichtigen und gezielt Wissenslücken identifizieren, um diese mit passenden Inhalten, Beispielen oder Übungen zu schließen.

Auch interaktive Lernplattformen werden durch den Einsatz von virtuellen Assistenten und Chatbots erweitert, um sofortige Unterstützung und Feedback zu bieten. Im Bereich der Standardisierung und Zertifizierung von Prüfungsinhalten wird KI eine zentrale Rolle übernehmen. Zudem wird es immer wichtiger werden, zwischen selbst erarbeiteten Schriftstücken und KI-generierten Inhalten zu unterscheiden.

Ein weiteres zentrales Thema ist die „vertrauenswürdige KI“. Dabei geht es um die Frage, wie die Daten der Lernenden verarbeitet und genutzt werden. Das Siegel „Made in EU“ könnte in diesem Zusammenhang an Bedeutung gewinnen.